Umweltinformationssystem
Die Überwachung und der Schutz der Umwelt ist eine Querschnittsaufgabe der Verwalt- ung. Herkömmliche Informationssysteme ohne räumlichen Bezug versagen zumeist, da es darauf ankommt, eine Vielzahl fachspezifischer Daten über die Lage miteinander zu verknüpfen. Erst durch diese Verknüpfung entstehen neue und aussagekräftigere Informationen zum komplexen ökologischen System. Planerische Maßnahmen, die das Objekt Umwelt verändern, können durch Integration in ein GIS mit seinem Datenbestand sehr vielseitig unterstützt werden. Zu nennen wären hier :
- rechtlichen Seite (Kataster)
- gestalterische Seite (Stadt- und Landschaftsplanung)
- umweltbeeinflussende Aspekte (Umweltverträglichkeitsprüfungen, Unter- suchungen raumwirksamer Planungen, ökologische Gesamtplanungen )
Ein weiterer Anwendungsbereich eines GIS liegt im sogenannte Umweltmonitoring. Das heißt, die Überwachung der Umwelt und der sie beeinträchtigenden Faktoren wie Verkehr, Landwirtschaft und Industrie wird hier abgebildet. Modelle über Lärm- und Schadstoffaus- breitungen (Strömungs- und Ausbreitungsmodelle) nutzen Informationen aus dem GIS wie z.B. die Höhe, die Bodenbedeckung und den Bodenbewuchs, die Bodenart und die Bebauung. Charakteristisch für den Umweltbereich sind die folgenden Faktoren :
- hoher Grad der Visualisierung
- Austausch von Daten des GIS zu Berechnungsmodulen und umgekehrt
- Vielfalt an externen Paketen von der Datengewinnung und -Aufbereitung über die Datenmodellierung bis zur Visualisierung
Ein GIS ist hier nur ein Baustein, wenn auch mit der oben erwähnten zentralen Aufgabe der integralen Datenverwaltung und -bereitstellung.Typische Anfragen an ein GIS im Umweltbereich sind von der Form "Was wäre wenn?". Das Wenn ist dabei z.B. eine Planungsmaßnahme, eine Umweltkatastrophe etc. Unter Einbeziehung aller zugrundeliegenden Informationen geht es darum, den Einfluß auf die Umwelt zu analysieren. Die Auswirkungen anthropogener Maßnahmen wie Land- und Forstwirtschaft, Bau- und Industrieaktivitäten etc. auf Natur (Fauna, Flora, Mensch) und Landschaft (Boden, Gewässer, Luft usw.) gilt es zu dokumentieren, auszuwerten und gestaltend zu beeinflussen, um vorsorgenden und effektiven Umweltschutz betreiben zu können.
Beispiele ( die wir uns vorstellen könnten !! )
Im Folgenden wollen wir ein paar naheliegende Beispiele aufzählen. Sicherlich sind wir als Vermesser nicht prädestiniert für die Informationsgewinnung im Umweltbereich, aber im Rahmen interdisziplinärer Vorgehensweise sind die aufgeführten Beispiele denkbar. Weiterhin sollen die Beispiele nur eine kleine Auswahl repräsentieren, Anwendungen im Bereich der Landwirtschaft wären ebenso denkbar.
Biotopkartierung
Ein Biotop stellt eine natürliche Umgebung eines Organismus im ökologischen Sinne dar und schließt alle Umweltbedingungen ein, die notwendig sind für den Lebenslauf einer Art. In einem Biotopkataster wird das Vorkommen von Flora und Fauna nach Lage, Vernetzung und Gefährdung dokumentiert. Die Biotopkartierung kann sich sowohl nach existierenden Flurstücken richten – man spricht hier von parzellenscharf – als auch an- topographischen Gegebenheiten in mittlerem Maßstabsbereich orientieren. Sie kann sowohl in Vektor als auch in Rasterform vorliegen. Ein Biotopkataster beinhaltet einen hohen Anteil an Sachdaten, in denen das Biotop bezüglich seiner Seltenheit, Schutzwürdigkeit der enthaltenen Spezien etc. beurteilt wird. Daher beurteilen wir die Einsetzbarkeit eines Geoinformationssystems für die Biotopkartierung als durchaus sinnvoll.
Artenschutz
Viele Arten – sowohl in Flora und Fauna – sind heute vom Aussterben bedroht oder als schützenswert erkannt. Aus dieser Aktualität erklärt sich die Suche nach einem geeigneten Hilfsmittel zur Kartierung der Spezienvorkominen und der Einflußfaktoren, zur Langzeitüberwachung (Monitoring) und zur Ursachen- Wirkungsanalyge. Geo-Informationssysteme können hierbei einen enorme Arbeit leisten. Die Ziele der Naturkonservierung lagen bisher im Schutz von Spezien (Arten) und bedeutender Lebensräume (Habitate) oder natürlicher Gebiete. Die Dokumentation und Untersuchung der Habitate besonders gefährdeter Spezien dient dem Studium des Artenvorkommens zum Zwecke des Artenschutzes und ist eine zunehmend wichtiger werdende Aufgabe in Anbetracht des Aussterbens. Die Inventarisierung der Lebensräume stellt eine Informationsebene für Planungsmaßnahmen dar und erlaubt weiterhin die Ursachen-Wirkungsanalyse für gefährdete Spezien in Flora und Fauna. Die Datenerhebung baut oftmals auf einer regelmäßigen Partitionierung auf, so dass die Darstellung in ein Raster orientiertes GIS denkbar wäre.
Forstwesen
Die Ansprüche an die Qualität der forstlichen Informationen steigen mit der zunehmenden Bedeutung der Wälder als Wirtschaftsgut, als Erholungsfaktor und als Ökosystem ständig. Informationen über Baumarten und Baumalter, Baumschäden, Infrastruktur und Standortfaktoren bilden die Grundlage für umfangreiche Analysen einzelner Forstbetriebe.